Folge 44 · 7. Oktober 2026 · 8 Min.

Webinar-Replay im Live Launch: Musst du überhaupt eins anbieten?

Ein Replay nach deinem Verkaufswebinar wird inzwischen fast als Standard gesehen, dabei musst du gar keins anbieten. Wenn kaum jemand die Aufzeichnung anschaut, die Zuschauerinnen beim Pitch abspringen oder deine Show-up-Rate darunter leidet, kann es sinnvoll sein, bewusst darauf zu verzichten. In dieser Folge schauen wir uns an, wann ein Replay deinen Verkaufsprozess unterstützt und wie lange es verfügbar sein sollte, wenn du dich dafür entscheidest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schau in deine Zahlen, bevor du über die Dauer des Replays nachdenkst.
  • Bei einem mehrstündigen Live-Workshop würde ich nicht automatisch eine Aufzeichnung anbieten.
  • Schneide zeitlich begrenzte Boni aus dem Replay heraus und gib den Menschen einen Grund, es anzuschauen.
  • Eine feste Regel für die Dauer gibt es nicht, sie hängt von Cart Open und Länge des Events ab.

Hilft dir das Replay beim Verkaufen?

Bei Webinaren wird fast immer gefragt, wie lange die Aufzeichnung verfügbar sein sollte. Ein Replay kann ein wichtiger Teil deines Verkaufsprozesses sein, schon weil nie alle Menschen, die sich anmelden, auch live dabei sein können. Bevor ich über die Dauer nachdenke, würde ich aber in meine Vergangenheitszahlen schauen und mich fragen, ob mir dieses Replay dabei hilft, mein Angebot zu verkaufen.

Wenn du beim letzten Mal ein Replay angeboten hast, kannst du zum Beispiel über Vimeo oder dein Webinar-Tool sehen, wie es konsumiert wurde. Mich interessiert dann:

  • Wie viele Menschen starten das Replay überhaupt?
  • Wie lange bleiben sie dran?
  • Was passiert, wenn der Pitch beginnt?
  • Kaufen Menschen aus dieser Gruppe?

Dazu haben wir dir übrigens eine eigene Folge aufgenommen: Warum dein Live Launch Webinar-Pitch nicht verkauft

Schon live gehen Menschen, wenn der Pitch beginnt. Beim Replay ist die Quote derer, die dann abspringen, in aller Regel noch deutlich höher. Wenn du siehst, dass die Menschen ziemlich genau beim Pitch abspringen und aus dieser Gruppe praktisch niemand kauft, würde ich nicht automatisch ein Replay anbieten. Das gilt vor allem, wenn diese Menschen auch über mehrere Launches hinweg später nicht kaufen und auch beim nächsten Webinar nicht zu Käuferinnen werden. Dann darfst du testen, kein Replay anzubieten.

Wann ich bewusst keine Aufzeichnung anbieten würde

Es gibt Launch-Strategien, bei denen ich bewusst keine Aufzeichnung anbieten würde. Wenn du zum Beispiel einen zweitägigen Live-Workshop als Launch-Event machst, bei dem die Menschen live mitarbeiten, Fragen stellen und Übungen machen, funktionieren diese zwei Tage als Erlebnis. Dann würde ich nicht automatisch sechs Stunden Aufzeichnung ins Internet stellen und hoffen, dass sie sich noch jemand am Wochenende anschaut. Das wird nicht passieren.

Was ein Replay mit deiner Show-up-Rate macht

Wenn du deinen Teilnehmerinnen schon bei der Einladung sagst, dass es natürlich eine Aufzeichnung gibt, darfst du dich nicht wundern, wenn ein Teil von ihnen sich den Termin nicht freihält. Wir wissen alle, was mit Dingen passiert, die wir uns später als Aufzeichnung anschauen wollen.

Wenn deine Show-up-Rate schlecht ist und du gleichzeitig siehst, dass dein Replay nicht relevant zu deinen Verkäufen beiträgt, würde ich testen, was passiert, wenn du ganz klar sagst: Es gibt keine Aufzeichnung. Das heißt nicht, dass sich deine Show-up-Rate dadurch automatisch verdoppelt oder dein Launch besser wird. Genau deshalb testen wir so etwas an unseren eigenen Zahlen.

Wie ich ein Replay vorbereite

Wenn du dich für ein Replay entscheidest, würde ich nicht einfach fünf Minuten nach Webinarende den Zoom-Link verschicken. Gerade wenn du im Live-Webinar einen zeitlich begrenzten Bonus genannt hast, muss der aus der Aufzeichnung raus. Wenn ich sage, dass du bei einer Buchung noch heute einen zusätzlichen Bonus bekommst, und drei Tage später jemand im Replay exakt dieselbe Aussage hört, ist diese Person ziemlich genervt und kauft wahrscheinlich nicht mehr, wenn der Bonus längst vorbei ist. Solche Passagen schneide ich heraus.

Deshalb ist es für mich auch völlig okay, wenn die Aufzeichnung erst am nächsten Tag verschickt wird. Wir überschätzen manchmal, wie dringend die Menschen darauf warten. Nur weil sich jemand für ein Webinar angemeldet hat, möchte diese Person nicht am nächsten Morgen 60 Minuten Aufzeichnung zum Kaffee schauen.

Wenn ich möchte, dass Menschen das Replay anschauen, muss ich ihnen also einen Grund geben. Eine Mail mit „Hier ist die Aufzeichnung“ erfüllt technisch ihren Zweck. Ich würde aber auch nochmal aufgreifen, was sie in dem Webinar erfahren, welche Fragen wir beantworten und warum es sich lohnt, sich diese Stunde Zeit zu nehmen. Du kannst auch eine bestimmte Aussage oder ein bestimmtes Learning nehmen und daran die ganze Mail aufziehen.

Wie lange die Aufzeichnung verfügbar sein sollte

Eine feste Zeit, die immer passt, gibt es für mich nicht. Wenn ich nur vier Tage Cart Open habe und das Webinar für die Kaufentscheidung wirklich wichtig ist, zum Beispiel weil mein Produkt sehr erklärungsbedürftig ist, kann ich das Replay durchaus bis Cart Close verfügbar machen.

Mehr dazu hörst du in dieser Folge: Cart Close verlängern: Cleverer Umsatzhebel oder Vertrauenskiller?

Bei einem längeren Cart Open muss die Aufzeichnung nicht zwangsläufig genauso lange online bleiben. Eine kürzere Replay-Phase kann sinnvoll sein, damit Menschen überhaupt einen Grund haben, sie sich jetzt anzuschauen.

Auch die Länge deines Events spielt eine Rolle. Bei einem 60-minütigen Webinar ist es wesentlich realistischer, dass sich jemand das am nächsten Abend anschaut, als bei einem drei- oder vierstündigen Workshop.

So entscheidest du über dein Replay

Frag dich als Allererstes, welchen Job dein Replay in deinem Verkaufsprozess erfüllt. Dann schaust du dir an:

  • Wie viele Menschen starten die Aufzeichnung?
  • Wie weit wird sie angeschaut?
  • Bleiben die Menschen beim Pitch und kaufen sie?
  • Was passiert über mehrere Launches langfristig mit ihnen, werden sie zum Beispiel beim nächsten Webinar Käuferinnen?

Wenn du darauf noch keine Antworten hast, würde ich erst einmal Daten sammeln, bevor ich aus irgendeiner Podcastfolge, inklusive dieser, eine allgemeingültige Replay-Regel ableite.

Wenn die Aufzeichnung Menschen ermöglicht, das Webinar nachzuholen und anschließend zu kaufen, ist das wunderbar. Wenn sie aber kaum konsumiert wird, die Menschen vor deinem Pitch abspringen und deine Live-Teilnahme darunter leidet, musst du kein Replay anbieten, nur weil man das bei Webinaren so macht.

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