Folge 38 · 1. Oktober 2026 · 15 Min.
Du bist mitten in Cart Open, die Verkaufszahlen liegen deutlich unter deinem Ziel, und plötzlich fühlt sich jede Idee sinnvoll an. Zu wenige Verkäufe sind aber noch keine Diagnose. In dieser Folge schauen wir uns an, wie du während eines laufenden Live Launches herausfindest, wo das Problem liegt, was du jetzt noch sinnvoll verändern kannst und was du besser für die nächste Runde notierst.
Diesen Zustand kennen wahrscheinlich alle, die schon einmal live gelauncht haben: Irgendwann in der Cart-Open-Phase bekommst du ein ungutes Gefühl im Magen und schaust in deine Zahlen. Vielleicht ist es Tag zwei oder drei, du wolltest eine bestimmte Zahl an Menschen erreichen und bist aktuell bei vier Verkäufen. Theoretisch weißt du, dass sich die Verkäufe nicht gleichmäßig über Cart Open verteilen und gerade der letzte Tag wichtig sein kann. Dein Kopf sagt trotzdem: Wir müssen sofort etwas machen. Noch ein Bonus, noch ein Live Call, die Salespage ändern, drei E-Mails schreiben, verlängern, am besten alles gleichzeitig.
Mehr dazu hörst du in dieser Folge: Salespages, die verkaufen: Die wichtigsten Do’s & Don’ts mit Copy-Expertin Caroline Metz
Du darfst etwas ändern, auch wenn dein Launch gerade läuft. Es wäre aber Quatsch, im Panikmoment auf ein Ergebnis zu reagieren, das noch nicht vollständig ist, ohne zu wissen, wie es entstanden ist. „Ich habe zu wenig Verkäufe“ ist eine Aussage, aber keine Diagnose. Das sagt dir nur, dass unten aus deinem Funnel weniger Käufe herauskommen, als du dir gewünscht hast.
Vielleicht sind vorne zu wenige Menschen hineingekommen, vielleicht waren zu wenige live im Webinar, sind vor dem Pitch gegangen oder haben die Sales-Mails nicht geöffnet und geklickt. Vielleicht verliert auch der Checkout die Menschen. Das weißt du an diesem Punkt nicht, deshalb würde ich zuerst herausfinden, was genau schiefläuft.
Das vertiefen wir in dieser Folge: Warum dein Live Launch Webinar-Pitch nicht verkauft
Wir hatten eine Kundin, deren Launch nicht so lief, wie sie es sich gewünscht hatte. Kurz vor Cart Close hatte sie die Idee, noch einen richtig guten Bonus herauszugeben, um einen zusätzlichen Kaufanreiz zu schaffen. Es war etwas, wonach ihre Zielgruppe seit Jahren gefragt hatte. Am letzten Tag haben dann auch einige Menschen allein wegen dieses Bonus gekauft. Auf den ersten Blick hat also alles funktioniert.
Nur war dieser Bonus sehr schnell aufgebaut worden, und bei der Auslieferung hat es an mehreren Stellen nicht richtig funktioniert. Die neuen Kundinnen, die gerade wegen des Bonus gekauft hatten, konnten direkt nach dem Kauf nicht vernünftig darauf zugreifen und waren entsprechend nicht begeistert. Unsere Kundin hatte danach erst einmal drei Tage Support-Chaos und mehrere verärgerte neue Kundinnen. Das ist nicht das Onboarding-Erlebnis, das du dir wünschst.
Die Strategie an sich funktioniert. Es ist aber ein gutes Beispiel dafür, was in der Launch-Panik passieren kann: Du versuchst, ein Problem schnell zu lösen, und baust dir dabei das nächste.
Zu wenige Menschen im Launch: Wenn du mit viel zu wenigen Menschen gestartet bist, kannst du das an Tag drei oder vier von Cart Open nicht mehr lösen. Wenn du ein 2.000-Euro-Angebot an 200 relevante Menschen verkaufst, kannst du die Salespage fünfmal umschreiben, und es gibt trotzdem eine natürliche Grenze dessen, was herauskommen kann. Das würde ich mir für den nächsten Launch aufschreiben und überlegen, wie ich vorher mehr relevante Leads in den Funnel bekomme. Ich würde nicht am letzten Tag hektisch Ads auf kalte Menschen schalten und hoffen, dass sie innerhalb von zwölf Stunden kaufen.
Große Liste, wenige Anmeldungen: Sagen wir, du hast 10.000 Kontakte und nur 250 Menschen melden sich zum Webinar an. Dann möchte ich wissen, ob das Thema interessant genug ist, wie die Einladungen geöffnet und geklickt wurden, ob das Webinarversprechen konkret genug ist, ob die Zielgruppe verstanden hat, warum sie dabei sein sollte, und ob es technische Probleme bei der Anmeldung gab. Auch das kannst du mitten in Cart Open nur sehr begrenzt lösen, es ist aber eine wichtige Erkenntnis für den nächsten Launch.
Zu wenige Menschen live dabei oder früh wieder weg: Wenn die Teilnahmequote das Problem ist, bringt es wenig, sofort dein Angebot auseinanderzunehmen, denn vielleicht haben es zu wenige Menschen überhaupt gesehen. Wenn du in den ersten 20 bis 30 Minuten einen großen Teil verlierst, würde ich mir das Webinar genau anschauen: Kommst du schnell genug zu dem, weswegen die Menschen da sind? Und wenn die Menschen, die deinen Pitch sehen, gut kaufen, musst du ihn nicht umbauen. Dann ist die Frage, wie du beim nächsten Mal mehr Menschen bis dorthin bekommst.
Wenn dir in den letzten zwei Tagen 15 Menschen dieselbe Frage stellen, würde ich natürlich reagieren. Ich nehme die Frage in die FAQ auf, schreibe vielleicht eine zusätzliche Sales-Mail oder ersetze eine geplante, weil ein anderer Kaufeinwand viel wichtiger ist. Ich greife das Thema in den Stories auf oder mache einen kurzen Live Call, wenn damit ein echtes Informationsproblem gelöst wird.
Frag dich immer: Reagiere ich gerade auf etwas, das ich in meinen Daten oder im Verhalten meiner potenziellen Käuferinnen sehen kann? Oder mache ich etwas, weil meine Zahl nicht da ist, wo ich sie gerne hätte, und ich das nicht aushalte? Wenn du zehnmal den gleichen Einwand bekommst, hast du ein Signal. Wenn dein Checkout kaputt ist, behebe das bitte sofort. Wenn Menschen bis zum Pitch dranbleiben und danach kaum klicken, schau dir deine Sales-Mails an und optimiere sie für die letzten Tage.
Typische Panikaktionen sind: Der Preis wird gesenkt, ein Produkt kommt obendrauf, aus fünf Sales-Mails werden neun, oder die Salespage wird mitten im Launch umgeschrieben. Selbst im besten Fall, wenn du damit mehr Verkäufe machst, hast du danach ein neues Problem. Wenn du gleichzeitig einen Bonus herausgibst, den Preis änderst und einen Live Call machst und danach acht Menschen kaufen, weißt du nicht, warum. Damit hast du für deinen nächsten Live Launch relativ wenig gelernt.
Das Schlimmste wäre für mich eine Deadline, die vorher als endgültig kommuniziert wurde und plötzlich doch nicht mehr endgültig ist. Das würde ich nur in einem Fall anders machen: Bei einer Kundin war am letzten Tag die Website wegen Serverproblemen nicht erreichbar. Da habe ich tatsächlich einen Tag Verkauf angehängt. In allen anderen Fällen lässt du deine Deadline bitte so stehen, wie du sie kommuniziert hast.
Im Launch hat man immer das Gefühl: Wenn ich ein Problem sehe, muss ich es jetzt lösen. Das musst du nicht. Du merkst, dass dein Webinar vorne zu lang ist? Gute Erkenntnis, schreib sie auf. Vielleicht kannst du das Replay noch sinnvoll kürzen, vielleicht machst du es erst beim nächsten Launch. Manche Erkenntnisse sind einfach die Grundlage dafür, dass du beim nächsten Mal bessere Entscheidungen triffst.
So würde ich während eines laufenden Live Launches vorgehen:
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